Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Marz

Durch die immer wiederkehrenden Brände in den vergange­nen Jahren und Jahrzehnten versuchten einige Marzer die Gründung eines örtlichen Feuerwehrvereines voranzutrei­ben. Zunächst mit wenig Erfolg. So wird im Mai 1890 von einer Sitzung der Gemeindevorstehung berichtet, in der beschlossen wurde „dass sich solche, die dem Feuerwehr­dienste obliegen wollen, sich bei dem Gemeinderichter mel­den sollen, diese werden dann unter das Kommando des Gemeindewächters Johann Holler gestellt und bekommen auf Kosten der Gemeinde als Distinktion gleiche Kappen; - einem Verein ist die Gemeinde abhold; besteht ja doch die Gemeinde so unendlich lange Zeit ohne Feuerwehr-Verein, warum denn jetzt auf einmal einen; wenn der Wind beim Feuer bläst, so nützt die Feuerwehr auch nicht, bläst er aber nicht, so können die Bauern selbst löschen und da gibt's viele heldenmütige Leute, die es besser können als die Feuerwehr. Eigentlich ist die Gemeinde so arm, dass sie einen Feuer­wehrverein nicht erhalten kann."
Glücklicher Weise haben sich diese Ansichten auf Dauer nicht durchgesetzt. So konnte schließlich am 16. Juli 1891 doch der Freiwillige Feuerwehrverein Marz gegründet werden.
Noch im Sommer dieses Jahres gab es eine großzügige Unterstützung durch den Großindustriellen Karl Ferdinand Mautner-Markhof, der als Jagdpächter einen Bezug zum Ort hatte. Johann Holler wurde erster Feuerwehrkommandant, dem viele fähige Männer auf diesem verantwortungsvollen Posten nachrückten:
Rund 100 lange Jahre wurde das Jahr 1891 als Gründungsjahr der Marzer Feuerwehr offiziell verzeichnet und als Basis für diverse Jubiläen verwendet. Seit einigen Jahren wird (auch) das Jahr 1890 als Ausgangspunkt für die Geschichte der Ortsfeuerwehr genommen.
Die Fähigkeit der Marzer Männer bei der Feuerbekämpfung beschränkte sich aber nicht nur auf unser Gemeindegebiet. Nach Ende des zweiten Weltkriegs und bis 1947 gab es im benachbarten Rohrbach keine Feuerwehr, so dass bei Bedarf die Marzer ausrückten.
Die Hilfe für andere Regionen beschränkte sich aber nicht nur auf Rohrbach und auf den eigentlichen Brandfall. Ein „zugereister“ Marzer machte sich weit über unser Dorf hin­aus einen Namen im Feuerwehrwesen. Der persönliche Einsatz, die reiche Erfahrung und das entsprechende Wissen von Ladislaus Widder (seit 1931 Lehrer und Feuerwehrmann in Marz) führte dazu, dass man diesen herausragenden Marzer Feuerwehrmann 1961 zum Landesfeuerwehrkom­mandanten ernannte und 1976 als ersten Burgenländer sogar zum Präsidenten des Österreichischen Bundesfeuerwehrver­bandes wählte. Sein besonderes Anliegen war die Betonung der Aus- und Weiterbildung der Feuerwehrmitglieder. Dazu betrieb er sehr energisch den Bau der Landesfeuerwehrschule in Eisenstadt. Die Förderung der Jugendfeuerwehr war ihm als Lehrer ein besonderes Anliegen. Schließlich war für ihn der soziale und kulturelle Stellenwert der Feuerwehr in der jeweiligen Gemeinschaft ein Herzensanliegen. Die gemein­schafts- und identitätsbildende Kraft dieser Nächstenhilfe­organisation, günstigenfalls im schmucken Feuerwehrhaus und die Wertschätzung der Tradition - etwa in Form des von Widder initiierten Feuerwehrmuseums in Eisenstadt - waren Ausdruck seiner vielfältigen Bemühungen.

Rüstzeug im Wandel der Zeit
Es liegt auf der Hand, dass selbst der tapferste Feuerwehrmann nichts ausrichtet wenn er nicht die notwendigen Geräte zur Verfügung hat. Die Anschaffung dieser Ausrüstung war und ist immer mit hohen Ausgaben verbunden, die die finanziellen Möglichkeiten kleiner Gemeinden oft aufs äußerste strapazierten. Und so ist es nicht verwun­derlich, dass die Wünsche der Wehren bei den Gemeinde­räten nicht immer auf offene Ohren gestoßen sind. Es wurde zwar 1834 die erste Feuerspritze angeschafft in dieser Zeit sicherlich eine außerordentliche und bemerkenswerte Investition aber zu weiteren reichte es dann viele Jahre lang nicht mehr.
Nach der Gründung der Feuerwehr ging man dann planmä­ßiger daran, eine entsprechende Ausrüstung zu beschaffen; wobei - bis in unsere Tage - nicht nur das Gemeindebudget herangezogen wurde sondern zahlreiche, zum Teil namhafte Spenden notwendig waren, um die begründeten Wünsche zu erfüllen. Im Zusammenhang mit der Unterstützung tauchen in der Chronik auch zwei bekannte Namen auf Eduard Suess, Erbauer der Wiener Hochquellenwasserleitung, Wissenschaftler und Politiker zu Ende des neunzehnten Jahrhunderts war ebenso ein Förderer, wie Karl Ferdinand Mautner Ritter von Markhof, Mitglied der bekannten Familie und Großindustrieller aus Wien, der zu jener Zeit Jagdpäch­ter in Marz war.
1902, knapp ein Jahrzehnt nach der Gründung, bestand das Inventar der Marzer Feuerwehr immerhin aus einer Saug ­und Druckpumpe, 160 Meter Druckschläuchen, sechs Feuerwehreimern, elf Stöpseln, zwei Decken, zwei Feuer­haken, sechs Petroleumfackeln, 34 Helmen, dreizehn Hacken, 34 Koppeln und zwei Alarmhörnern.
Im August 1924 wurde den finanziellen Bedürfnissen der Feuerwehr Rechnung getragen und in der neuen Gemein­deordnung festgelegt, dass zukünftig mindestens zwei Prozent, bei entsprechendem Auftrag der Landesregierung sogar bis zu fünf Prozent, des jährlichen Gemeindebudgets für die Zwecke des Feuer- und Wasserschutzes sowie dem sonstigen Rettungswesen zu widmen sind. Kein großartiger Beitrag, aber ein Anfang. Außerdem wurde verfügt, dass jene Gemeindebewohner, die persönlich nicht in der Lage sind Feuerwehrdienste zu leisten („Hand- und Zugdienste"), zu entsprechenden Geldleistungen herangezogen werden kön­nen. 1935 trat das erste Feuerwehrgesetz in Kraft, welches vor einigen Jahren durch eine neue gesetzliche Grundlage abge­löst wurde, die das heutige Feuerwehrwesen im Burgenland regelt und übrigens auch Frauen im bislang traditionellen männlichen Wirkungsbereich als Mitglieder aufnimmt und als Partner schätzt.
Ob der darauf folgende Geldsegen so reichhaltig war ist frag­lich. Immerhin wurde 1926 eine pferdegezogene Motorsprit­ze der Firma Knaust in Wien, Type F60 angeschafft. Für die damalige Zeit war dieses Gerät hochmodern! Nach dem zwei­ten Weltkrieg, im Jahre 1953, kaufte man dann ein Löschfahrzeug der Type Steyr mit einem Achtzylinder-­Benzinmotor und selbstsaugender Vorbaupumpe. Dieser Wagen leistete 26 Jahre treue Dienste bis er 1977 ausgemu­stert wurde. Ergänzt wurde die Ausstattung 1966 durch eine TSA Tragkratfspritze. Im Jahr 1974 stand eine weitere Modernisierung des Fuhrparks zur Diskussion. Der Ankauf führte im April 1974 allerdings zu Auffassungsunterschieden zwischen der Gemeindeführung und der Feuerwehr, die in der Folge geschlossen, bis auf drei Personen(Ladislaus Widder, Hans Dorfmeister, Josef Schmidl), zurücktrat um überraschend kurze Zeit später im Mai des selben Jahres unter geänderten Voraus­setzungen reorganisiert zu werden. Nunmehr wurde auch sehr schnell eine Einigung über den Kauf von zwei entspre­chend ausgerüsteten Einsatzfahrzeugen, einem Landrover und einem VW-Bus, erzielt.
Auch bei den Feuerwehrfahrzeugen entwickelt sich die Technik immer weiter und die Effizienz der Geräte nimmt zu. So folgten mit der Zeit ein Rüstlöschfahrzeug RLF-3000, ein Mannschaftstransporter und ein Kommandofahrzeug. Auch im Jahr 2002, anlässlich der 800-Jahr-Feier von Marz, wird der Wagenpark modernisiert und ein neues Löschfahrzeug (LF-A) sowie eine Tragkraftspritze angeschafft.
Naturgemäß waren, durch die Erweiterung und Modernisie­rung der Ausrüstung, die jeweiligen Feuerwehrhäuser immer wieder zu klein geworden und so übersiedelte auch St. Florian immer wieder, bis er 1987 im Feuerwehrhaus in der Hauptstraße 57 eine neue Heimat fand. Das Rüsthaus wurde zuletzt im Jahr 2005 um ein wesentliches Stück erweitert, wobei ein Aufenthaltsraum, Garagenbereich sowie Lagerbereiche dazugebaut wurden.
Damit erfüllt das Gebäude die Anforderungen an ein zweckentsprechendes Feuerwehrhaus für das notwendige Rüstzeug ebenso, wie es auch als Kommunikationszentrum für unsere Feuerwehrkameraden dient.

Ausbildung und Übungswesen
Was nützt die beste Ausrüstung, die höchste Einsatzbereit­schaft und der größte Mut wenn diese zweifellos wünschens­werten und notwendigen Voraussetzungen nicht durch eine gründliche Ausbildung ergänzt und diese wiederum durch Training vertieft werden?
Auch heute und in Zukunft legen die Verantwortlichen bei allen Feuerwehren, so auch in Marz, großes Augenmerk auf die Einschulung der Feuerwehrmitglieder und die regelmäßi­ge Abhaltung von Schulungen, Übungen, Inspektionen oder Dienstbesprechungen. Die Marzer haben bei diversen Gelegenheiten wieder­holt ihre hervorragenden Fähigkeiten bewiesen und wurden mehrfach bei verschiedensten Bewerben ausgezeichnet.

Glücklicher Weise tritt unsere Feuerwehr nicht nur bei Katastrophenfällen in Erscheinung, sondern viel häufiger bei erfreulichen Anlässen und sie nimmt einen festen Platz im Dorfleben ein.